Text zum Jubiläum "50 Jahre Wollmatinger Naturfreunde" aus dem Jahr 1973

1923
In den Ortskartellen waren die sozialistisch orientierten Vereine zusammengeschlossen, zum Beispiel: Freie Turner, Musikverein, Mandolinenclub u. a. So auch in der damals noch selbständigen Gemeinde Wollmatingen. Damals, um 1923, zog es so manchen jungen Wollmatinger in Richtung Reichenau zum Landeskrankenhaus. Dort waren Pflegerinnen tätig, die es Ihnen angetan hatten. Diese jungen Mädchen waren zum Teil Mitglieder der Naturfreunde in auswärtigen Ortsgruppen. Diese jungen Mädchen verstanden es, die Wollmatinger Burschen für die Naturfreunde-Idee zu gewinnen.
Es bestanden schon damals Kontakte zu der bereits bestehenden Ortsgruppe Konstanz der Naturfreunde. Die Verlockung nach der „anderen Seite" war aber größer. Nach einigen geselligen Zusammenkünften kam es dann zur Gründung der Ortsgruppe Wollmatingen im Touristen-Verein „Die Naturfreunde" (damals hieß sie noch O. G. Reichenau). Die Gründungsversammlung war im März 1923 in der Gastwirtschaft „Bahnhof“, bei der Bahnstation Reichenau. 1. Obmann wurde Rudolf Querndt. Die ersten gemeinsamen Wanderungen führten über den Bodanrück und in den Hegau. Es war üblich, daß unterwegs ein Eintopfessen gekocht wurde, da man meistens den ganzen Tag unterwegs war. Die Wollmatinger Mandolinengruppe trat dann im gleichen Jahr den Naturfreunden bei. Durch diese Verstärkung waren mehr Mitglieder Wollmatinger und die Ortsgruppe wurde deshalb in „Ortsgruppe Wollmatingen" umbenannt.
Durch das naturkundliche Interesse einzelner Mitglieder, z. B. Mineralien, Pflanzen usw. wurden die Wanderungen durch wissenswerte Schilderungen und Hinweise bereichert.

1933
Durch den 1. Obmann Wallenwein der Konstanzer Ortsgruppe wurde ein sehr guter Kontakt zu den Wollmatingern unterhalten, der erst durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten unterbunden wurde. Nach der Beschlagnahme des gesamten Vereinsvermögens und der Unterlagen kam Nacht über die Naturfreunde-Bewegung - nicht nur in Wollmatingen. Die weltoffene Gesinnung der Naturfreunde war den damaligen Machthabern für Ihre Zwecke und Ziele ein Hindernis.

bis 1945
Die ganz Unentwegten trafen sich trotzdem als verschworene Gemeinschaft jeden Samstag in der Waldwirtschaft St. Katharina. Und trotz des bestehenden Verbotes fanden sich noch Gleichgesinnte. Alle hofften auf den Tag des Neubeginns. Sie mußten jedoch 13 Jahre darauf warten, und mancher Wanderfreund kehrte durch die Kriegsereignisse nicht mehr zurück.

1946
Am 1. Juni 1946 war es endlich wieder so weit. Nach der ersten Zusammenkunft in der Waldwirtschaft St. Katharina fand die Wiedergründung der Ortsgruppe Wollmatingen statt. Wanderfreund Walter Schmidt beantragte bei der damaligen Besatzungsmacht als vorläufiger Präsident die Genehmigung. Die offizielle Gründungsversammlung fand am 3. November 1946 im Gasthaus „Rößle" statt. Zu den Gründungsmitgliedern zählten u. a. Erich Löhle, Hans Kledt, Walter Schmidt, Ernst Faller und Kurt Dassler.
Die monatlichen Versammlungen wurden abwechslungsweise im Gasthaus „Rößle" und in der Waldwirtschaft „St. Katharina“ abgehalten.

1947
Durch das große Interesse Jugendlicher an der Naturfreunde-Idee fanden zahlreiche Jugendliche zum Verein. Dadurch bildete sich eine starke Jugendgruppe, die heute noch den Stamm des Vereins bildet.

1950-1951
Das starke Anwachsen der Ortsgruppe Wollmatingen veranlaßte die damalige Vereinsleitung unter dem Obmann Ernst Weite zum Bau eines Vereins- und Jugendheimes auf dem Fürstenberg.

1952
Die große Wassersportabteilung war bis dahin in Litzelstetten beim Wanderfreund Könitzer untergebracht. Die Zunahme an Paddelbooten in der Gruppe erforderte den Bau eines eigenen Bootshauses. Die Stadt Konstanz stellte der Ortsgruppe Wollmatingen unterhalb des Stromeyer-Dorfes ein Areal für den Bau des heute noch bestehenden Bootshauses zur Verfügung.

1953
Die Stadt Konstanz verkaufte das Areal, auf dem unser Bootshaus steht, an die Firma Stromeyer, die uns diesen Platz zur weiteren unentgeltlichen Nutzung überließ. Seit diesem Zeitpunkt bemüht sich die Vereinsleitung der Ortsgruppe Wollmatingen um einen eigenen, neuen Platz für die Erstellung eines größeren Bootshauses für rund 100 Boote.
Die Ortsgruppe Wollmatingen erreichte in diesen Jahren ein ausgeprägtes Vereinsleben, das im Bezirk Donau-Bodensee durch die folgenden Gruppen besonders bekannt wurde: Singgruppe, Musikgruppe, Laienspielgruppe, Jugendgruppe, Wassersportgruppe.

1972
Unsere Wassersportabteilung trat 1972 dem Deutschen Kanu-Verband bei, und wurde dadurch Mitglied im Badischen Sportverband.
Als weitere sportliche Gruppen betätigten sich die Faustballer-Abteilung und Gymnastik-Abteilung der Frauen seit 1958.
Die Bemühungen der Vereinsleitung in Sachen Bootshaus trugen 1972 die ersten Früchte. Uns wurde die Zusage erteilt, im Gewann Unterlohn innerhalb des Bebauungsplanes Stromeyersdorf ein neues Bootshaus erstellen zu können. Mit diesem Vorhaben soll gleichzeitig die Errichtung eines Freizeit- und Erholungszentrums für die Mitglieder des Touristenvereins „Die Naturfreunde"geschaffen werden.

Mit diesem Ziel gehen wir optimistisch in das Jahr 1973!